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30. Juni 2017 Reförmchen, Teil I: das große Eszett

Neues vom Rat für deutsche Rechtschreibung

Sehr schnittig: Das Eszett hat es endlich geschafft, in die Reihe der Großbuchstaben aufgenommen zu werden. Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts (!) wurde darüber diskutiert. Als einziger Buchstabe im Alphabet fristete das ß bisher ein stiefmütterliches Dasein im Bereich der Kleinschreibung; vermutlich einfach deshalb, weil kein Wort mit großem ß anfängt. Bisher konnte bzw. durfte das ß bei Großschreibung, z. B. bei Straße, nur als Doppel-S ausgegeben werden, also STRASSE. Dies hat der Rat für deutsche Rechtschreibung – neben einigen weiteren Anpassungen – nun geändert. Allerdings ist die neue Regelung kein Muss, sondern ein Kann, sodass weiterhin frei entschieden werden darf, ob das Doppel-S oder der neue Großbuchstabe zum Zuge kommen. Tipp: Unternehmen sollten dies zeitnah in ihren firmeneigenen Wording-Standards und Redaktionsleitfäden festlegen.

Warum gibt es jetzt das Versal-Eszett?

Was die reine Optik betrifft, so sorgt die längst überfällige Großschreibung bei Überschriften, die in Versalien gehalten sind, für ein einheitliches Schriftbild. Die Tendenz zur durchgängigen Versalschreibung ist aktuell zunehmend festzustellen bei Claims, Buchtiteln und Kapitelüberschriften. Wie lange sich dieser Trend behaupten wird, sei dahingestellt (s. dazu auch den Blogbeitrag Kamele mit Punkten), die von oberster Stelle getroffene Entscheidung wird er nicht mehr rückgängig machen. Ein tatsächlich triftiger Grund für die Anpassung war die mangelnde Eindeutigkeit etwa bei Ausweisdokumenten: Heißt ein Herr MOSSMANN nun Moßmann oder Mossmann, eine Frau FASSBENDER Faßbender oder Fassbender?

Das große Eszett: Wie sieht es aus, wie wird es produziert?

Wie kaum anders zu erwarten, sieht der neue Großbuchstabe aus wie ein Hybrid aus großgeschriebenem B und kleingeschriebenem ß. Mit der Aufnahme des großen ß als „Latin Capital Letter Sharp S“ hat es zwar erst im zweiten Anlauf geklappt: Dem Versal-Eszett wurde allerdings bereits im April 2007 die Nummer U+1E9E für Unicode zugewiesen inkl. Aufnahme in den internationalen Schriftzeichen-Standard ISO. Gebräuchliche Computerschriften wie Times New Roman, Arial und Courier New verfügen über den Großbuchstaben mit dem genannten Unicode-Zeichen. Sie erzeugen ihn wie folgt: erst die Zeichenkombination 1E9E tippen und dann Alt+C drücken.

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