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11. Januar 2018 Frisch gelesen

Die großen Feste sind vorbei,  der Jahresanfang hat uns wieder. Ausgerüstet mit guten Vorsätzen, die wir noch eine Zeitlang weiterverfolgen werden, dreht sich die Welt unbeirrt weiter. Stopp! So ganz unbeirrt tut sie das nicht und wer genauer hinter die Kulissen schauen möchte, der kann dies in dem 2017 erschienenen und mehrfach ausgezeichneten Sachbuch Der Dominoeffekt oder die unsichtbaren Fäden der Natur von Gianumberto Accinelli tun.

18 charmant erzählte Geschichten aus der Kategorie Sachbuch

Vergnüglich geschrieben mit einem heiteren Unterton und ohne moralisierenden Zeigefinger – das macht das Buch so sympathisch und das Lesen so erfreulich. Teils spannend aufbereitet wie ein Kriminalroman erfahren wir, welche Effekte und unabsehbaren Folgen unser Handeln auf das fein ausbalancierte Ökosystem der Erde hat. Folgen, über deren Ursprung wir uns manchmal gar nicht (mehr) im Klaren sind und uns mit der Frage „Wie hat das nochmal angefangen?“ zum Beginn der Geschichte zurückbringen. Empfohlen für Leser ab neun Jahren ist Der Dominoeffekt für mich nicht unbedingt ein Kinder- und Jugendbuch, sondern bestens geeignet für alle interessierten Leser, die die Aufbereitung von Faktenwissen gerne einmal anders erleben möchten.  Dabei verknüpft der Autor wissenschaftliche Erkenntnisse und historische Fakten auf spannende Weise und setzt sie entlang seines Erzählfadens zur Geschichte mit Aha- bzw. Dominoeffekt zusammen.

Die Tricks der Kaninchen und „Operation cat drop“

Ein Farmer, der Kaninchen aus England mitbringt, diese achtlos in seiner Heimat Australien aussetzt und damit das Land an den Rand einer Katastrophe bringt; die Jagd nach einem roten Farbstoff, die in wucherndem Kakteenwachstum endet und eine Motte in den Denkmalstatus erhebt; Katzen, die vom Himmel regnen und so Borneo retten … Accinelli erzählt kuriose, gut recherchierte Geschichten mit oft ernsthaftem und manchmal erschreckendem Hintergrund, die uns das unsichtbare und manchmal kaum noch nachvollziehbare Zusammenspiel von Mensch und Natur aufzeigen.

Der Autor

Die knapp gehaltene Autorenseite klärt uns darüber auf, dass Gianumberto Accinelli 1969 in Bologna geboren wurde. Als promovierter Ökologe initiierte er 2005 Eugea, ein Projekt, um Schmetterlinge zurück in die Städte zu bringen. Er lehrte an verschiedenen Universitäten in den USA und Italien und veröffentlichte mehrere Sachbücher zu den Themen Natur und Umweltschutz.

Die Illustratorin

Die Illustratorin Serena Viola, die „in Mailand in einem Haus mit einem Garten und einem Apfelbaum lebt und arbeitet“, begleitet die achtzehn erzählten Geschichten mit wunderbaren Illustrationen. Sämtliche Tiere, die das Buch bevölkern, sind mit feiner Präzision und sehr realitätsnah gezeichnet, während Viola dem Bild weitere Details der Geschichte hinzufügt, indem sie sich unterschiedlicher Illustrationsstile bedient. Über eine Seite bzw. Doppelseite hinweg entwickelt sich so ein gezeichnetes Moodboard, das die Stimmung des Erzählten spiegelt und der Fantasie Raum lässt. Durch all das zieht sich der filo invisibile, der unsichtbare Faden, der das Buch und seine Geschichten zusammenhält. Die Idee des Fadens hat die Künstlerin übrigens – in einem anderen Kontext – auch in ihrem 2016 bei Feltrinelli Gribaudo erschienenen Buch Il filo emozionato umgesetzt.

Der Dominoeffekt oder die unsichtbaren Fäden der Natur von Gianumberto Accinelli mit Illustrationen von Serena Viola wurde aus dem Italienischen übersetzt von Ulrike Schimming und ist bei Sauerländer als Hardcover erschienen (ISBN 978-3-7373-5471-4).

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