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1. Juni 2016 Fehler adé!

Kein Text ist perfekt. Wie man Fehlern am besten auf die Schliche kommt, das erfahren alle Orthografie-Freaks in diesem Beitrag mit zahlreichen Tipps. Ein wichtiger Hinweis vorweg für alle Autoren und Verfasser eigener Texte: Planen Sie unbedingt den Faktor „Betriebsblindheit“ ein, wenn Sie ihre eigenen Texte Korrektur lesen wollen. Oder lagern Sie sie gleich an einen Profi aus.
Das Argument „Brauche ich nicht, macht alles mein Rechtschreibprogramm“ ist auch uns Korrektoren nicht unbekannt. Vor- und Nachteilen solcher Programme ist daher ein eigener Abschnitt dieses Beitrags gewidmet.

Richtig Korrektur lesen in 7 Schritten: die „hard facts“

Get in touch
Autoren können diesen Tipp getrost überspringen. Für alle anderen gilt: Wenn sie den Text nicht selbst geschrieben haben, machen Sie sich zuerst mit ihm vertraut. Das geht am besten durch querlesen, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen und ein Gefühl für Inhalt, Stil und Fehlerintensität zu bekommen.

Schrift vergrößern
Die Schrifteinstellung darf beim Lesen so groß wie möglich gewählt werden. Damit auch die kleinsten Fehler nicht der Korrektur entgehen.

Schrift ändern
Wenn neben der Schriftgröße auch die Schriftart und/oder Farbe des Korrekturtextes geändert wird, hilft dies beim Korrigieren. Zum einen ändern sich die Zeilenumbrüche, wodurch z. B. doppelte Wörter leichter zu entdecken sind, zum anderen bekommt der Bearbeiter einen neuen Blick auf einen Text, der vielleicht schon einige Korrekturschleifen bei ihm durchlaufen hat.

Laut lesen
Ja, richtig gehört … Laut lesen hilft, etwa um falsche Schreibweisen oder doppelte Wörter ausfindig zu machen.
 
Ausdrucken
Papier ist nicht nur geduldig, es unterstützt auch die Arbeit des Korrekturlesens, denn ausgedruckt liest es sich anders als mit dem Blick auf dem Bildschirm.

Vier-Augen-Prinzip
Ein tolles Konzept, wenn es das Budget zulässt: Der gleiche Text wird von zwei Personen gelesen.

Anders lesen
Eine besondere Variante des Korrekturlesens ist es, den Text entgegen der gängigen Leserichtung „rückwärts“, also Wort für Wort von rechts unten nach links oben zu lesen. Hier fallen schon einmal Buchstabendreher („Er blicket sich um.“) oder vergessene Endungen auf („die gewonnen Entscheidungen“), die im gängigen Lesefluss oft untergehen. Gute Rechtschreibprogramme sollten solche Lapsus allerdings ebenfalls erkennen.

Geht doch automatisch, oder?

Inzwischen werden Datenbanken, Webeditoren oder E-Mail-Clients mit integrierten Rechtschreibprüfungen ausgestattet. Diese Entwicklung ist begrüßenswert, unterstützt sie doch all jene, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit den (Un-)Tiefen der deutschen Rechtschreibung konfrontiert sehen. Allerdings kann auch ein automatisches Rechtschreibprogramm nur so viel, wie ein automatisches Rechtschreibprogramm eben kann. Und das reicht mitunter nicht bis zur erwünschten Fehlerfreiheit aus. Die automatische Rechtschreibkorrektur in Word oder der Duden Korrektor sind zweifelsohne ein guter Start in die Überprüfung von Rechtschreibung und Zeichensetzung. Auch andere Anbieter, wie z. B. das Open-Source-Projekt LanguageTool, markieren tüchtig Fehler in deutschsprachigen Texten. Zu beachten ist hier allerdings, dass der Nutzer trotz Markierung manchmal nicht erkennt, was eigentlich falsch ist („Ich lerne weil ich gute Noten haben will.“). Oft ist ein Text auch bereits mehrfach von verschiedenen Autoren bearbeitet worden mit der Folge, dass  falsche Endungen oder überflüssige Wörter stehenbleiben – auch das erkennt eine automatische Rechtschreibprüfung häufig nicht. Ebenso wird unternehmens- oder projektspezifisches Wording nicht erkannt bzw. als Fehler markiert, was bei einem fehleranfälligen Text dann auch schon einmal leicht zu einer Unübersichtlichkeit aufgrund zu vieler Markierungen führen kann. Zudem werden Worttrennungen nicht immer (richtig) identifiziert und mitunter passiert es immer noch, dass z. B. Komposita ohne Bindestrich fälschlicherweise als richtig anerkannt werden („Stadt Bücherei“ statt „Stadtbücherei“). Spätestens bei der Prüfung von Grammatik sollte man jedoch nichts mehr dem Zufall überlassen, was bedeutet, der zusätzlichen manuellen Prüfung durch den Menschen Vorrang zu gewähren.

Die Feinarbeit: Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik

Wie sollte ein Korrektorat inhaltlich aufgebaut sein? Hier führt systematische Kleinarbeit zum Ziel –  und die Arbeit am Text von der Oberfläche in die Tiefe.  Eine Einteilung in einzelne Korrekturphasen mit verschiedenen Schwerpunkten ist lohnend, da der Text auf diese Weise logisch und strukturiert erfasst wird. Dabei legt der Bearbeiter Inhalt und Umfang dieser Schwerpunkte je nach eigener Erfahrung und Fehlerintensität des Textes selbst fest und bestimmt so, ob etwa die Prüfung von Groß- und Kleinschreibung gemeinsam mit der Prüfung von Getrennt- und Zusammenschreibung oder separat erfolgen soll. Ein Korrekturvorgang könnte beispielhaft so aussehen: Nachdem sämtliche orthografischen und Tippfehler verbannt sind, wird der Text auf einheitliche und verbindliche Schreibweisen oder beispielsweise auf eine durchgängige Markierung bestimmter Begriffe mit Warenzeichen etc. geprüft (s. a. Blogbeitrag zu Corporate Language). In einem nächsten Schritt werden Wortwiederholungen ebenso ausfindig und dingfest gemacht wie Schachtelsätze – und das Korrekturlesen tritt in die Phase der Grammatikprüfung ein. Spätestens hier spielt dann auch die korrekte Zeichensetzung eine Rolle. Zum Schluss  werden Absatzmarken und Formatierungssymbole überprüft und wenn bis hierhin alles gut gelaufen ist, sollten Sie einen wunderbaren Text in den Händen halten bzw. vor sich auf dem Bildschirm haben. Wenn dem nicht so ist, ist zu überlegen, ob das gute Stück nicht doch ein Lektorat verdient hat?

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